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Linux-Tipp 9

Wiederherstellen von gelöschten Dateien

Wer unter Gnome oder KDE versehentlich eine Datei in den Papierkorb befördert, hat gut lachen. Schließlich genügen wenige Mausklicks, um die betreffende Datei wieder auferstehen zu lassen. Doch was tun, wenn die Datei auf Shell-Ebene (Kommandozeile) liquidiert wurde oder die Funktion Löschen aus dem Kontextmenü des Nautilus-Dateimanagers zum Einsatz kam? In einem solchen Fall ist guter Rat teuer, denn anders als beispielsweise DOS bieten viele Linux-Distributionen out of the box kein undelete-Utility.

Doch die Situation ist nicht aussichtslos – zumindest nicht, wenn Sie Ihre Partitionen mit dem ext2-Dateisystem formatiert haben (andernfalls auch nicht, aber dies würde hier zu weit führen). Anders als noch vor einigen Jahren stehen Ihnen nämlich heutzutage gleich mehrere nützliche Utilities zur Verfügung. Die wichtigsten sind e2undel, recover und der Dateimanager Midnight Commander (mc).

Recover und e2undel

Recover ist im Grunde eine direkte Umsetzung des Ext2-Undelete-Howtos. Es arbeitet sehr differenziert, hat aber den Nachteil, dass der Anwender viele Fragen bezüglich der gelöschten Datei(en) beantworten muss. e2undel ist da wesentlich genügsamer. Ihm reichen als Parameter die Partition, auf der sich die Daten befunden haben, und ein Zielverzeichnis, in dem die zuvor eliminierten Daten wiederhergestellt werden sollen. Eine Auswahl ist hierbei freilich nicht vorgesehen. e2undel versucht einfach, alle auf der betreffenden Partition gelöschten Dateien und Verzeichnisse wiederherzustellen.

Midnight Commander

Das komfortabelste Undelete-Utility ist zweifelsohne der Midnight Commander (mc), der bei fast jeder Distribution standardmäßig installiert wird. über den Menüpunkt Löschen rückgängig (nur ext2) im Menü Befehl haben Sie die Möglichkeit, eine Partition nach gelöschten Dateien und Verzeichnissen durchsuchen zu lassen. Das Ergebnis wird im Midnight Commander in der normalen Dateiansicht (ähnlich einem TAR-Archiv) dargestellt. Anschließend kopieren Sie nur noch die betreffende Datei(en) in gewohnter Weise auf eine andere Partition oder ein Netzwerklaufwerk und voila – die Datenrettung ist abgeschlossen.

Voraussetzungen

Derartige Rettungsaktionen haben aber nur eine Chance auf Erfolg, wenn die gelöschte(n) Datei(en) noch nicht überschrieben wurde(n). Deswegen müssen direkt nach dem versehentlichen Löschen von Daten sämtliche Schreiboperationen auf der betreffenden Partition unverzüglich unterbunden werden.

Hierzu können Sie entweder die Partition vollständig aus dem Verzeichnisbaum aushängen (umount [Partition]) oder schreibgeschützt einhängen (mount -o ro,remount [Partitionsbezeichnung]). Letzeres ist normalerweise unproblematischer.

Beispiel:
mount -o ro,remount /dev/hda6

Mit diesem Befehl wird die Partition /dev/hda6 aus dem Verzeichnisbaum ausgehängt und anschließend direkt wieder schreibgeschützt (read only) eingehängt. Wäre der Einhängpunkt (mount point) der Partition /dev/hda6 das Verzeichnis /home, würde der Befehl mount -o ro,remount /home dieselbe Funktion erfüllen.

Nähere Informationen zur richtigen Vorgehensweise beim Wiederherstellen von gelöschten Dateien finden Sie in den Hilfeseiten der zuvor genannten Utilities und natürlich im Ext2-Undelete-Howto.

Weiterführende Literatur:

Picture

Linux